Was ist überhaupt Liverollenspiel …

    Dieser Text ist für all diejenigen geschrieben, die mit Liverollenspiel (LARP) noch wenig bis gar nicht in Kontakt gekommen sind und die das Phönix-Regelwerk noch nicht kennen.

    Beim Liverollenspiel tauchen die Teilnehmer in andere Rollen ein. Eine Gruppe von Organisatoren (Orga, SL) denkt sich eine Rahmenhandlung (Plot) aus und organisiert ein Spielgelände, Übernachtungsmöglichkeiten, Catering und vieles mehr. Dann verteilen die Organisatoren Einladungen oder Flyer und veröffentlichen die Veranstaltung in interessierten Kreisen (E-Groups, Internetforen, Rollenspielläden). Der Plot ist meist eine Fantasy-Geschichte, als Spielgelände dienen alte Burgen oder Wälder. Die Teilnahme kostet einen gewissen Betrag, der meist lediglich die Kosten der Orga deckt.

    Jeder, der mitspielen möchte, kann sich für das Liverollenspiel anmelden und entweder als Spieler-Charakter oder als Nicht-Spieler-Charakter (NSC) teilnehmen. Als Spieler kann man im Rahmen seiner Möglichkeiten vollkommen frei in dem gegebenen Szenario agieren. Als NSC bekommt man von der Orga Vorgaben, die in der Regel etwas mit dem Plot zu tun haben. Oft haben NSC Fähigkeiten, die diejenigen der Spielercharaktere bei weitem übersteigen. NSC übernehmen meist die Aufgabe, Spielercharaktere in Schwierigkeiten zu bringen, ihnen Hinweise zu liefern oder ihnen etwas beizubringen.

    Jeder Spieler benötigt einen Charakter, den er während des Spiels darstellt. In den meisten Regelwerken sind Regeln festgelegt, wie ein solcher Charakter zu erstellen ist. Bei punktebasierten Regelwerken kann jeder Spieler sich anhand dieser Regeln für einen Charakter Fähigkeiten aussuchen, die er dann im Spiel einsetzen kann. Die Fähigkeiten werden insofern begrenzt, als keiner gleichzeitig ein unbezwingbarer Kämpfer und brillanter Magier sein, sondern nur für eins von beiden den Grundstein legen kann.

    Da kein Charakter zu Anfang alle Fähigkeiten beherrscht, ist im Spiel Interaktion mit anderen Charakteren nötig und sinnvoll. Bei den Spielen erlernt man neue Fähigkeiten, die man dann bei späteren Spielen mit dem gleichen Charakter einsetzen kann. Stirbt der Charakter, so kann der Spieler mit einem neuen Charakter wieder zurück in das Spiel.

    Das Liverollenspiel bietet vielfältige Fähigkeiten, die Charaktere anwenden können, zum Beispiel Waffenfertigkeiten, Magie, Braukunst, Hypnose, Runenschrift und vieles mehr. Kämpfe werden mit gepolsterten Waffen ausgekämpft. Magie wird mit diversen Effekten und Schauspielerei dargestellt.

    Andere Spielsysteme kommen ohne feste Regeln aus, und jeder Charakter kann, was der Spieler tatsächlich kann oder zumindest darstellen kann.

    Dabei ist alles Spiel. Wenn ein Charakter eine schreckliche Chaosgottheit anbetet oder ein Troll damit droht, alle Anwesenden zu fressen, so ist dies Schauspielerei miteinander und füreinander. Der Chaospriester verkauft in drei Tagen wieder Versicherungen, und der Troll nimmt wieder sein Landtagsmandat wahr. Im Spiel kann es zu wüsten Streitereien und Kämpfen zwischen zwei Charakteren kommen, obwohl die Spieler, deren Charaktere sich dort streiten, bestens befreundet sind. Es handelt sich um Theater für andere, die ebenfalls Theater spielen. Zuschauer gibt es nicht, aber mitmachen kann jeder, der sich darauf einlassen möchte.

    ... und was ist PHÖNIX?

    PHÖNIX ist ein punktebasiertes Liferollenspielsystem, bei dem ein Charakter nur die Fähigkeiten beherrscht, die er mit Erfahrungspunkten erworben hat. Jedem Spieler wird eine flexible Charaktergestaltung erlaubt, bei der er sich aus zehn verschiedenen Rassen, mehr als 50 verschiedenen Fertigkeiten, über 150 verschiedenen Zaubersprüchen und klerikalen Wundern, zahlreichen Bardenliedern, magischen Runen und Artefakten, sowie über 30 alchemistischen und pharmazeutischen Rezepturen ganz individuell seinen Charakter zusammenstellen kann. PHÖNIX kennt keine festen Charakterklassen, sondern jeder Charakter kann nach den Wünschen des Spielers erstellt werden. Nur einige wenige Fertigkeiten schließen sich gegenseitig aus. Ein umfangreiches optionales Nachteilesystem gibt dem erschaffenen Alter Ego zusätzlichen Tiefgang und stellt den Spieler vor eine interessante spielerische Herausforderung.

    Das Regelsystem ist inhaltlich eng mit der von der PHÖNIX-Carta bespielten Welt verknüpft und wird in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess den sich aus den Spielen ergebenden Erfahrungen angepasst. Im Moment ist eine in Kürze zur Verfügung stehende, komplett überarbeitete Version des ursprünglichen Regelwerkes in Vorbereitung. Parallel dazu wird eine völlig neue und erheblich erweiterte Version des Regelwerkes geschrieben, in welche die Erfahrungen aus den zahlreichen PHÖNIX-Carta-Cons der letzten acht Jahre einfließen.

    Christian Wodke, 22.03.2005