Die Geschichte Tulderons

Tulderon ist alt; älter als Aklon oder gar das laikerianische Imperium. Um die Entstehungsgeschichte der Stadt ranken sich zahllose Legenden. Lügen, Betrug und Intrigen haben eine lange Tradition in Tulderon. Deswegen dürfte an diesen Legenden kaum etwas wahres sein. Soviel aber scheint festzustehen: Aus einer kleinen ultorianischen Pilgeransiedlung entstand sehr früh eine der ersten Handelsmetropolen der Welt.

Die geographisch günstige Lage und eine gehörige Portion Geschäftssinn der Bewohner begründeten diesen Status. Der Reichtum der Stadt zog von jeher zwielichtiges Gesindel an. Schnell verfestigten sich die Strukturen einer Halb- und Unterwelt, denen Tulderon bis heute den Ruf verdankt, die Hauptstadt des organisierten Verbrechens zu sein, eine Tatsache, die von den etablierten Patrizier-Familien als durchaus geschäft-schädigend empfunden wird. In den letzten 5000 Jahren gab es kaum einen Eroberer oder Kriegsherrn, der nicht ein gieriges Auge auf Tulderon geworfen hätte.

Das jüngste Beispiel dieser Tradition ist der hadranische Imperator Dorgul, dessen Legionen die Stadt belagerten, aber nicht einnehmen konnten. Tulderon verstand es immer, sich seine Unabhängigkeit zu bewahren: Ihre beste Waffe war dabei stets das Geld. Es stellte sich nämlich heraus, daß es lukrativer war, von der Stadt einen gesalzenen Tribut einzufordern, als sie selber kontrollieren zu wollen. Diesem Umstand verdankt Tulderon bis auf den heutigen Tag den Titel einer "Freistadt": Obwohl mittlerweile Teil des aklonischen Reiches, hat die Krone es vermieden, Tulderon komplett zu vereinnahmen. Gleich einem Staat im Staate besitzt Tulderon eine eigene Gesetzgebung und Verwaltung. Dafür entrichtet die Stadt der Krone eine Steuer, wie sie nur die reichsten Herzogtümer in Aklon aufbringen können. Tulderon hat nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt, auch wenn ein Spaziergang durch die verwinkelten Straßen und Gassen ahnen läßt, daß man hier schon bessere Zeiten gesehen hat. Der Aufstieg Sythias zur führenden Handelsnation hat Tulderon seiner ursprünglichen Vormachtstellung beraubt - was keinesfalls bedeutet, daß man sich hier geschlagen gibt. Stattdessen verweist man gerne darauf, daß der Zustrom von Besuchern ungebrochen scheint. Dabei gibt es drei oft genannte Gründe, Tulderon zu besuchen:

1. Der Handel:
Um gute Geschäfte zu machen oder um seltene, verbotene oder exotische Waren aufzutreiben, ist dies einfach der richtige Ort.

2. Das Amusement:
Zerstreuung hat in Tulderon tausend Gesichter. Nur hier ist Glücksspiel legal und obendrein steuerfrei. Das fahrende Volk macht hier gerne Station - von der Monstrositätenschau bis zum Wanderzirkus, vom Theater bis zum Wunderheiler reicht das Spektrum. An fleischlichen Genüssen oder Perversionen scheint niemand Anstoß zu nehmen, und täglich kommt eine neue Attraktion dazu. Wetten auf Arenakämpfe oder Wagenrennen sind noch aus laikitischer Zeit Tradition.

3. Das Asyl:
Die eigene Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit machen die Stadt zu einem Flüchtlingsziel für gesuchte Verbrecher, aber auch für politisch oder religiös Verfolgte.

zurück