Tenebratempel von Tulderon

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Tenebra leitet ihre Schritte

Obwohl die Sonne ihren höchsten Stand noch nicht erreicht hat, flimmert die Luft über den Wällen der Stadt bereits vor Hitze. Dennoch läuft eine schwarz gewandete Gestalt allein aus der Stadt in die Richtung des Friedhofes, den dunklen Schleier vors Gesicht gezogen. Kurz nachdem die Trauernde die schützenden Stadtmauern hinter sich gelassen hat kommt der Tempel der Tenebra, Tochter der Fardea, in Sicht. Vor dem Eingang hält ein einzelner Krieger Wacht, gerüstet in eine schwarze Plattenrüstung deren Kratzer und Dellen deutlich zeigen, dass es sich nicht nur um gelangweilten Wächter der Stadtwache handelt. Trotz der Hitze und der verwunderten Blicke die ihm seine Erscheinung einträgt, steht er reglos da und beobachtet wie sich die Frau nähert. Dann wendet er den Kopf in spricht in den Tempel: "Eine einsame Seele nähert sich.". Sein Akzent macht deutlich, dass er nicht aus Tulderon stammen kann. Eine Frauenstimme aus dem Inneren des Tempels antwortet ihm. "Tenebra leitet ihre Schritte.".

Auf dem Friedhof direkt neben dem Tempel erhebt sich eine blonde Frau, welche vor einem Grabstein gekniet hatte. Sie wischt sich die Erde von dem langen Ledermantel und schultert eine Muskete welche an dem Grabmal gelehnt hatte. Mit einer Hand schirmt sie ihre Augen gegen die Sonne ab und blickt zu der einsamen Gestalt, die gerade am Zaun entlang schreitet. "Wie kann man euch helfen gute Frau?" Die Trauernde will antworten, aber alles was unter dem Schleier hervordringt sind einige erstickte Worte. "Mein... mein Mann...Ich...". Verständnisvoll neigt die Bewaffnete den Kopf. "Ah, dann wollt ihr zu unserer Priesterin. Lasst mich euch zu ihr geleiten." Sie bedeutet der Fremden voraus zu gehen und gemeinsam gehen die Frauen zum Tempel.

Der Tempel ist im Grunde lediglich eine Plane, welche über ein paar Holzstangen gespannt worden war. Jemand hat grüne und schwarze Vorhänge an den Seiten gespannt, welche eine kühlende Briese herein lassen, aber dennoch die grelle Sonne der Mittagsstunde dämpfen. Der Boden in der Mitte ist mit Teppichen ausgelegt auf denen sich Gläubige zum Gebet niederlassen können. Vor dem Altar auf der anderen Seite steht eine Frau in einem einfachen grünen Kleid, welche ihnen den Rücken zuwendet. Das lange braune Haar fällt ihr ungebändigt auf den Rücken, und trotz der der Einfachheit ihrer Erscheinung fühlt die schwarz gewandete Frau, dass die Priesterin an diesen Ort gehört. Nach einigem Zögern tritt sie vor, während die andere am Eingang stehen bleibt. "Verzeiht, ich...", spricht sie die Priesterin an, bevor ein erneutes Schluchzen aus ihrer Kehle dringt. Bei dem Klang der Worte dreht sich die Priesterin um und lächelte sie an. "Seid Willkommen, Tochter Oriris. Kommt zu mir und tragt Tenebra vor, was euch auf dem Herzen liegt." Immer noch von Schluchzern geschüttelt, tritt die Frau an den Altar und lässt sich auf einem der Teppiche nieder. Als wäre ein Damm gebrochen sprudeln die Worte aus ihr heraus. Von ihrem Mann, der in den Krieg gezogen war um für seinen Fürsten zu streiten, und ihrer Sorge, dass er nicht mehr zurückkehren würde. Von dem Abgrund der Verzweiflung der sich vor ihr auftat als der Bote vor ihrer Tür stand und ihre Sorgen sich bewahrheiteten. Von ihren Kindern, die zu klein waren um zu verstehen, dass ihr Vater sie nie wieder in den Arm nehmen oder mit ihnen fischen gehen würde. Die Priesterin hat sich neben ihr niedergelassen und hörte geduldig zu wie die Frau Tenebra ihr Herz ausschüttet. Anfangs noch von Tränen getrübt, spricht die Frau langsam mit immer kräftigerer Stimme, und als sie den Blick hebt und den Altar betrachtet färbt zwar noch die Trauer ihre Stimme, aber sie scheint ihr leichter zu ertragen. "Tenebra hat euch gehört.", spricht die Priesterin. "Euer Mann ist in ihrem Reich, und wartet dort auf euch bis eure Zeit gekommen ist. Das Rad dreht sich weiter". "Das Rad dreht sich weiter.", wiederholen zwei Stimmen vom Eingang des Tempels die Losung. "Ich danke euch.", meint die Frau, welche ihren Schleier zurück geschlagen hat. Erleichterung spiegelt sich in ihrem Blick als sie die Priesterin ansieht,  eine tiefe Ruhe hat sie überkommen und auch der Schmerz in ihrer Brust ist nun leichter zu ertragen. Sie erhebt sich, und wendet sich zum Gehen. Am Eingang nickt sie den beiden Gestalten zu, und wirft dann einige Münzen in eine Kiste die dort befestigt ist. Ohne ein weiteres Wort macht sie sich auf den Weg zurück in die Stadt, um wieder Teil des geschäftigen Treibens zu werden.

Eine kurze Zeit stehen der Gerüstete und die Frau mit der Muskete noch am Eingang des Tempels. "Ich werde das nie verstehen.", meint sie irgendwann. "Was meinst du?", fragt der Mann und drehte sich zu ihr. "Dass der Tod etwas schlimmes sein soll. Solange er endgültig ist, ist er wohl das Beste was uns passieren kann.".

 

Beschreibung von Tempel und Friedhof

Friedhof, oder Tenebras Acker wie er auch genannt wird, befindet sich außerhalb der Stadtmauern und wird seit kurzem von einer Gruppe Gläubiger gepflegt. An diesem Ort findet man auch einen Tempel der Tenebra, die Mittlere der drei Töchter Fardeas und Herrin über das Reich der Toten. All jene die einen Geliebten verloren haben sowie jene für die das Ende allgegenwärtig ist werden hier oft gesehen. So trifft man zwischen Witwen und Waisen auch oft auf Söldner und Krieger. Generell steht der Tempel allen Fardea-Gläubigen offen, von Nicht-Gläubigen wird eine Spende an den Orden erhoben.

Jegliche Anliegen bezüglich des Friedhofes müssen mit einem Priester besprochen werden. Des Weiteren bietet der Tempel einen Ort für all jene die einen Verlust beklagen möchten, Fragen oder Sorgen bezüglich ihres Endes haben oder aber einer weitergezogenen Seele Respekt zollen wollen.

Grabkerzen können gegen einen Obolus erworben werden. Die Mitglieder des Ordens sind immer in der Stunde vor Mittag und vor Mitternacht anzutreffen. Alle anderen Zeiten sollten vorher abgesprochen werden. Am Freitag zu Sonnenuntergang findet eine öffentliche Zeremonie an die Göttin des Todes statt, und all jene die Tenebra Respekt erweisen wollen sind herzlich eingeladen. Des Weiteren suchen der Friedhof als auch der Orden immer nach helfenden Händen.

 

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